„Glasgold“+++ Aus der Werkserie „Klein & fein“ in Pastell
- Technik
- Pastellstifte auf Pastelmat mit Passepartout , im Rahmen hinter Museumsglas
- Größe
- 30 x 40 cm inclusive Passepartout
- Jahr
- 2026
Wie viele Stunden haben wir als Kinder draußen mit Murmeln verbracht! Wir bauten Kugelbahnen, gruben kleine Löcher in die Erde, spielten und tauschten. Murmeln waren begehrt – manche mehr als andere, und eine besonders schöne konnte ein kleines Vermögen bedeuten.
Dass wir Mädchen waren, hieß keineswegs, dass Puppen unsere erste Wahl sein mussten. Uns zog es häufig zu den Jungen, wo das Spielen manchmal etwas rauer zuging. Wir behaupteten uns, so gut wir konnten – und hatten unseren Spaß dabei.
Eine Murmel ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Meine Schwester besaß ein Lieblingsstück, das eines Tages verschwunden war. Zu Hause bemerkten wir das Loch in ihrer Tasche. Irgendwo auf dem Weg vom Spielplatz musste die Murmel verloren gegangen sein. Die Enttäuschung war groß, die Suche vergeblich.
Beim nächsten Spielen entdeckten wir sie wieder – ausgerechnet in der Hand eines kleinen Jungen. Sie war unverkennbar. Meine Schwester wollte ihr Eigentum sofort zurückfordern. Doch der Junge erzählte, er habe die Murmel im Gras gefunden, und wir sahen, mit welcher Freude er damit spielte.
Also ließen wir sie ihm.
Bis heute sprechen meine Schwester und ich manchmal darüber – und sind ein kleines bisschen stolz auf diese Entscheidung zweier Kinder.
Vielleicht waren Murmeln damals tatsächlich unser Glasgold: kostbar, begehrt und wunderbar anzusehen. Doch diese eine verlorene Murmel hat uns etwas gelehrt, das wertvoller war als ihr Besitz:
Manchmal wird ein Schatz größer, wenn man ihn einem anderen lässt.


